Erzeugung von Trinkwasser aus Meerwasser
Behandelte Medien: Abwasser, Trinkwasser
Durchsatz: 12 m³/Tag
Stoffe: Bakterien, Partikel, Salze, Trübstoffe
Verfahren: Antiscalant-Dosierung, Biozid-Dosierung, CIP-Reinigung, Deaktivierung und Neutralisation des biozidhaltigen Spülabwassers, Doppeldruckerhöhung, Entsäuerungsfilter, Kerzenfiltration, Umkehrosmose, UV-Desinfektion, Vorfiltration mit Glaskugelfilter
Inbetriebnahme: 2024
KF Unternehmen: Weil Wasseraufbereitung GmbH
Veranlassung
Für die Versorgung der Boote und Schiffe mit Trinkwasser und für die sanitären Anlagen des Inselhafens benötigte der Betreiber Trinkwasser. Ein Anschluss an das öffentliche Trinkwassernetz des örtlichen Wasserversorgers kam aus zwei Gründen nicht in Frage: Zum einen wäre eine lange Stichleitung nötig gewesen, da der Hafen am Kopf einer 721 Meter langen Seebrücke vor der Küste liegt. Durch die relativ geringe Abnahme von Trinkwasser hätte die Gefahr einer Verkeimung bestanden, der man mit häufigen Spülungen und Desinfektionen hätte begegnen müssen. Zum anderen wären durch einen Anschluss an das öffentliche Trinkwassernetz hohe Kosten entstanden.
Eine besondere Herausforderung für die Konzeption einer Aufbereitungsanlage zur Erzeugung von Trinkwasser aus Meerwasser bestand darin, dass die jahreszeitlichen Schwankungen des Salzgehaltes und der Temperatur in der Ostsee steuerungstechnisch berücksichtigt werden mussten.
Meerwasserentsalzungsanlage
Eine Meerwassertauchpumpe, die bauseitig gestellt wurde, pumpt das gewonnene Ostseewasser für eine Vorfiltration zu einem Glaskugelfilter, in dem grobe Schwebestoffe, wie z. B. Algen, Kleinstlebewesen und Trübstoffe, herausgefiltert werden. Die Partikeltrenngrenze beträgt hier 20 bis 30 µm. Bei einer Rückspülung des Filters mit filtriertem Wasser werden die abgetrennten Stoffe zurück in die Ostsee geleitet. Das vorfiltrierte Wasser wird in einem Filtratbehälter zwischengespeichert, bevor es einem Kerzenfilter zugeführt wird, der alle Partikel, die größer als 20 µm sind, herausfiltert. Bevor das Wasser in die Umkehrosmose geleitet wird, wird ein Antiscalant und in bestimmten Abständen auch ein Biozid zudosiert, das die Entwicklung eines Biofilms auf den Membranen der Umkehrosmose verhindert. Durch eine zusätzlich zwischengeschaltete UV- Desinfektion kann die Biozid-Dosierung auf wenige Male pro Woche reduziert werden, wohingegen die Antiscalant-Dosierung permanent erfolgen muss. Das biozidhaltige Abwasser wird in einer Deaktivierungs- und Neutralisationsanlage so aufbereitet, dass es in die Ostsee zurückgeleitet werden kann.
Neben der Verhinderung eines Biofilms auf den Umkehrosmosemembranen durch die Zudosierung eines Biozids wird die Umkehrosmose auch vor Partikeln geschützt, indem das Wasser noch vor dem Durchströmen der Umkehrosmose über einen Kerzenfilter mit einer Feinheit von 5 µm geleitet wird. In der Umkehrosmose wird dann unter Druck, aufgebaut durch eine Kreiselpumpe, das Ostseewasser entsalzt. Das in der Umkehrosmose entstehende Konzentrat wird in die Ostsee zurückgeleitet und das Permeat wird über einen Entsäuerungsfilter geführt, bevor es in zwei Trinkwasserbehältern gespeichert wird.
Damit die Verbraucher zuverlässig mit Trinkwasser versorgt werden können, wird durch eine Doppeldruckerhöhungsanlage ein eingestellter Betriebsdruck auch bei wechselnden Durchflussanforderungen permanent gehalten. Vor der Einspeisung des Trinkwassers in das Verteilungsnetz erfolgt eine abschließende UV- Desinfektion.
Die Reinigung der Umkehrosmoseanlage geschieht durch eine CIP- Reinigungsanlage, mit der sowohl eine basische als auch eine saure Reinigung durchgeführt werden kann. Ein zentraler Elektroschaltschrank mit speicherprogrammierbarer Steuerung und Touch-Panel dient zur Überwachung und Bedienung der Anlage, was auch per Fernzugriff möglich ist. Ebenso ist eine Fernwartung möglich. Die Gesamtanlage ist in einem Betriebs-/Funktionsgebäude untergebracht.
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